Fr 7 Nov 2008
DMOZ Bild in der Öffentlichkeit
Geschrieben von Zerstreuter unter Allgemein
Wenn ich an DMOZ denke, dann fallen mir eine ganze Latte an Kritikpunkte ein. Das Seltsame ist das keiner dieser Kritikpunkte in den mannigfaltigen Diskussionen in Foren oder Beiträgen in Blogs zur sprache kommt. Stattdessen liest man immer nur den Vorwurf, das die im Open Directory Project aktiven (oder eher weniger aktiven) Editoren ja eh nur darauf bedacht sind ihre eigenen Projekte zu pushen und deswegen die Seiten der Konkurrenz nicht aufgenommen werden. So auch heute in einem Beitrag von SEOlicios.de 8 Gründe, warum Dmoz.org Müll ist. Selbstverständlich ist dies eine mögliche Erklärung dafür, warum eingetragene Webseiten zum Teil ewig auf eine Freischaltung warten, die sich geradezu aufdrängt - insbesondere wenn man niemals einen Einblick hinter die Kulissen hatte. Aber nur, weil eine Erklärung aus der Sicht des Betrachters naheliegend ist, muss sie nicht richtig sein.
Als erstes muss man sich von der Vorstellung trennen, das jeder Editor willenlos in jeder Kategorie rumwüten darf. Jeder Editor kann nur in den ihm zugewiesenen Kategorien Einträge bearbeiten. D.h. wenn jemand Editor in der Kategorie World > Deutsch > Online-Shops > Hochzeit ist, dann bringt das seiner eigenen Reisewebseite schonmal gar nix. Er darf seine Reisewebseite wie jeder andere für die passenden Kategorie vorschlagen und wie jeder andere auch darauf warten, das der zuständige Editor diesen Eintrag bearbeitet.
Auch das Ablehnen der angeblichen Konkurrenz ist nicht ganz so einfach wie man sich dies eventuell vorstellen kann. Jede Bearbeitung eines Eintrages wird mitprotokolliert. Auch das Ablehnen eines Eintrages wird mitprotokolliert und muss begründet werden. Übergeordnete Editoren schauen sich in regelmäßigen Abständen an, was ihre Schützlinge in den untergeordneten Kategorien so treiben. Dies geschieht in erster Linie nicht, um diese zu kontrollieren sondern um eventuell Hilfestellung zu geben. Sollte nun ein Editor anfangen, Webseiten unberechtigterweise abzulehnen oder nur ihm naheliegende Webseiten freizugeben, dann fällt dies auf. Und in solchen Fällen reagiert DMOZ richtig ecklig.
Und warum dauert das Freischalten der eingereichten Vorschläge dann so ewig? Einer der Gründe liegt in der Art der Beschreibungstexte. Nehmen wir einfach wieder die Beispielkategorie von oben: World > Deutsch > Online-Shops > Hochzeit. Ein möglicher Beschreibungstext könnte lauten:
Der Online-Shop Spass-und-Freiheit-war-gestern bietet eine Fülle von Hochzeits- und Einladungskarten sowie Tischdekorationen und Braut-Accessoires für den schönsten Tag im Leben eines Paares. Lassen Sie sich von der Fülle an Geschenkideen für das Brautpaar inspirieren.
Ok, nicht pulitzerpreisgefährdet, aber es ist ein sinnvoller Text, keine Aneinanderreihung von Keywords, kein unangebrachtes Duzen, kein deplaziertes ‘hier finden sie..’ / ‘wir bieten…’ und….. trotzdem nicht richtlinienkonform was DMOZ anbelangt. Der Beschreibungstext soll nicht die Webseite beschreiben sondern soll dem Leser vermitteln, was ihn auf der Seite erwartet. So lauten die DMOZ-Richtlinien und daran hat sich der Editor zu halten. Aus diesem Grunde findet man in den Beschreibungstexten der genannten Kategorie literarische Meisterwerke wie:
Es wird individuelle Dekoration für Hochzeiten und andere Anlässe angeboten. Bedruckte Servietten, Tischläufer und Kerzen werden vorgestellt und es gibt Faltanleitungen und Galerien.
Und warum dauert das Freischalten der eingereichten Vorschläge jetzt so lange? Weil keiner, der seine Seite bei DMOZ vorschlägt sich die bereits gelisteten Einträge ansieht und seinen Beschreibungstext entsprechend ausrichtet. Der arme kleine Editor ist gezwungen sich für jeden Eintrag erneut etwas aus den Fingern zu saugen. Die strengen Regeln von DMOZ lassen hierbei auch nicht viel Spielraum für Kreativität. Wer dem Editor einen Text vorlegt, den er unbearbeitet veröffentlichen darf, der wird sich zum Teil wundern, wie schnell die Einträge gelistet werden.
Dies trifft übrigens umso mehr bei Kategorien zu, die keinen eigenen Editor haben.
7 Kommentare für “ DMOZ Bild in der Öffentlichkeit ”
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17. Dezember 2008 um 08:53[...] Protto kommentiert das in seinem Beitrag “DMOZ Bild in der Öffentlichkeit” auf Yet Another SEO Blog so: “… nur, weil eine Erklärung aus der Sicht des [...]

24. Dezember 2008 um 01:50
Ich möchte Dir danken, für diesen realistischen Bericht aus hinter den Kulissen von DMOZ.
Als DMOZ Editor ärgere ich mich über Pauschale Äusserungen wie “die Editoren wollen eh alle nur Ihre Seiten puschen” etc manchmal sehr.
Es gibt im DMOZ auch sehr viele Kategorien ohne Editor. Wenn die Anmeldung zu lange dauert könnte man auch in Betracht ziehen, sich dieses Bereichs einmal selbst anzunehmen.
Liebe Grüße Lina
1. Februar 2009 um 21:45
Hm, auf dem ersten Blick klingt das für mich unschlüssig. Wenn ein Editor doch so viel zu tun hat, warum sollte er dann unbedingt als erstes die “Eintragungen” einer nicht besetzten Kategorie abarbeiten, als sich lieber erstmal um seine eigene Kategorie zu kümmern?
Und was ich an DMOZ so richtig sinnlos finde: Warum bekommt man bei Ablehnung keine Benachrichtigungsmail, wie bei jedem anderen gepflegten Webkatalog? Das wäre doch total einfach zu realisieren… Aber so muss man als Wartender Webseitenbetreiber sich immer wieder fragen: “Wurde nun meine Seite abgelehnt, oder noch nicht bearbeitet.” und “Trage ich mich jetzt noch einmal ein und riskiere, dass mein vorheriger Eintrag doch noch nicht bearbeitet wurde, und durch mein erneutes Eintragen wieder nach hinten rutscht…”.
Eine einfache, automatisch versendete Mail könnte also beiden Seiten enorm Arbeit ersparen!
2. Februar 2009 um 02:39
Wenn eine Kategorie keinen eigenen Editor hat, dann wird sie durch den Editor der übergeordneten Kategorie betreut. Wenn dieser jetzt die Kategorie bearbeitet, welche Einträge wird er sofort freischalten? Richtig - die, die am wenigsten Arbeit machen.
Der Editor ist angewiesen seine Kategorien selbständig zu pflegen d.h. Webseiten in den Katalog aufzunehmen. Die Vorschläge, die man einreichen kann dienen nur als zusätzliche Hilfe. Der Grundgedanke bei den Vorschläge ist, das jeder interessierte Internetnutzer x-beliebige Seiten vorschlagen kann - nicht nur die Webmaster. Dem Internetnutzer kann es aber egal sein, was mit seinem Vorschlag passiert. Aus diesem Grunde gibt es keine Benachrichtigungsmails.
Das die Realität anders aussieht d.h. das eigentlich nur Webmaster ihre eigenen Seiten einreichen ändert nichts am Grundgedanken.
Du betreibst keinen eigenen Webkatalog - richtig?
5. Juli 2009 um 17:00
Ich finde Dmoz ist ein klasse Projekt. Die Idee, die dahintersteckt ist meiner Meinung nach großartig. Es ist klar, dass es längere Zeit in anspruch nehmen kann eine Seite in den Index von Dmoz zu bekommen aber man muss auch bedenken, dass die Editoren die ganze Arbeit freiwillig machen. Ich bin auch schon seid längerer Zeit in überlegung bei diesem Projekt mitzumachen indem ich mich als Editor anmelde.
31. Januar 2010 um 16:46
Schade das man bei DMOZ so schwer einzutragen ist, wird man den da noch eingetragen vielleicht eher wenn man einen PR von 3-4 hat.
8. März 2010 um 09:57
Ich bin mir sicher, dass Editoren oftmals dazu neigen Konkurenten abzulehnen. Wie auch in meinem Beispiel ganz klar ersichtlich. Ich probiere jedes Jahr ca. 2 - 3 x die Seite http://www.ms-webdesign.at in den Katalog einzutragen. Leider ohne Erfolg.
Begründungen bekommt man dafür keine - auch kein Mail dass man abgelehnt wurde. Da die Seite keine unerlaubten oder unseriösen Inhalte hat gibt es für mich keine andere Erklärung als die Ablehnung durch einen Konkurrenten.