Wenn ich an DMOZ denke, dann fallen mir eine ganze Latte an Kritikpunkte ein. Das Seltsame ist das keiner dieser Kritikpunkte in den mannigfaltigen Diskussionen in Foren oder Beiträgen in Blogs zur sprache kommt. Stattdessen liest man immer nur den Vorwurf, das die im Open Directory Project aktiven (oder eher weniger aktiven) Editoren ja eh nur darauf bedacht sind ihre eigenen Projekte zu pushen und deswegen die Seiten der Konkurrenz nicht aufgenommen werden. So auch heute in einem Beitrag von SEOlicios.de 8 Gründe, warum Dmoz.org Müll ist. Selbstverständlich ist dies eine mögliche Erklärung dafür, warum eingetragene Webseiten zum Teil ewig auf eine Freischaltung warten, die sich geradezu aufdrängt - insbesondere wenn man niemals einen Einblick hinter die Kulissen hatte. Aber nur, weil eine Erklärung aus der Sicht des Betrachters naheliegend ist, muss sie nicht richtig sein.

Als erstes muss man sich von der Vorstellung trennen, das jeder Editor willenlos in jeder Kategorie rumwüten darf. Jeder Editor kann nur in den ihm zugewiesenen Kategorien Einträge bearbeiten. D.h. wenn jemand Editor in der Kategorie World > Deutsch > Online-Shops > Hochzeit ist, dann bringt das seiner eigenen Reisewebseite schonmal gar nix. Er darf seine Reisewebseite wie jeder andere für die passenden Kategorie vorschlagen und wie jeder andere auch darauf warten, das der zuständige Editor diesen Eintrag bearbeitet.

Auch das Ablehnen der angeblichen Konkurrenz ist nicht ganz so einfach wie man sich dies eventuell vorstellen kann. Jede Bearbeitung eines Eintrages wird mitprotokolliert. Auch das Ablehnen eines Eintrages wird mitprotokolliert und muss begründet werden. Übergeordnete Editoren schauen sich in regelmäßigen Abständen an, was ihre Schützlinge in den untergeordneten Kategorien so treiben. Dies geschieht in erster Linie nicht, um diese zu kontrollieren sondern um eventuell Hilfestellung zu geben. Sollte nun ein Editor anfangen, Webseiten unberechtigterweise abzulehnen oder nur ihm naheliegende Webseiten freizugeben, dann fällt dies auf. Und in solchen Fällen reagiert DMOZ richtig ecklig.

Und warum dauert das Freischalten der eingereichten Vorschläge dann so ewig? Einer der Gründe liegt in der Art der Beschreibungstexte. Nehmen wir einfach wieder die Beispielkategorie von oben: World > Deutsch > Online-Shops > Hochzeit. Ein möglicher Beschreibungstext könnte lauten:

Der Online-Shop Spass-und-Freiheit-war-gestern bietet eine Fülle von Hochzeits- und Einladungskarten sowie Tischdekorationen und Braut-Accessoires für den schönsten Tag im Leben eines Paares. Lassen Sie sich von der Fülle an Geschenkideen für das Brautpaar inspirieren.

Ok, nicht pulitzerpreisgefährdet, aber es ist ein sinnvoller Text, keine Aneinanderreihung von Keywords, kein unangebrachtes Duzen, kein deplaziertes ‘hier finden sie..’ / ‘wir bieten…’ und….. trotzdem nicht richtlinienkonform was DMOZ anbelangt. Der Beschreibungstext soll nicht die Webseite beschreiben sondern soll dem Leser vermitteln, was ihn auf der Seite erwartet. So lauten die DMOZ-Richtlinien und daran hat sich der Editor zu halten. Aus diesem Grunde findet man in den Beschreibungstexten der genannten Kategorie literarische Meisterwerke wie:

Es wird individuelle Dekoration für Hochzeiten und andere Anlässe angeboten. Bedruckte Servietten, Tischläufer und Kerzen werden vorgestellt und es gibt Faltanleitungen und Galerien.

Und warum dauert das Freischalten der eingereichten Vorschläge jetzt so lange? Weil keiner, der seine Seite bei DMOZ vorschlägt sich die bereits gelisteten Einträge ansieht und seinen Beschreibungstext entsprechend ausrichtet. Der arme kleine Editor ist gezwungen sich für jeden Eintrag erneut etwas aus den Fingern zu saugen. Die strengen Regeln von DMOZ lassen hierbei auch nicht viel Spielraum für Kreativität. Wer dem Editor einen Text vorlegt, den er unbearbeitet veröffentlichen darf, der wird sich zum Teil wundern, wie schnell die Einträge gelistet werden.

Dies trifft übrigens umso mehr bei Kategorien zu, die keinen eigenen Editor haben.