Fr 21 Nov 2008
Abgestraft!?
Geschrieben von Zerstreuter unter Allgemein
Mir kommt es so vor, als würde man in den SEO-Foren immer häufiger den Hilferuf vernehmen ‚Hilfe, ich wurde abgestraft’ gefolgt von der Erklärung ‚Ich habe nichts böses gemacht.’ und der Frage ‚Kann man da was dagegen tun?’. Viel interessanter finde ich die Frage, was es eigentlich bedeutet „abgestraft“ worden zu sein. Was verbirgt sich dahinter? Und warum bereitet es Google anscheinend so viel Freude, arme, kleine, unschuldige Webmaster reihenweise „abzustrafen“.
In meiner Schulzeit habe ich mehr als nur eine Klausur in den Sand gesetzt. Es gab etliche Gründe, warum die Noten nicht unbedingt in den Toleranzbereich der elterlichen Vorstellungen vielen. Es gab Fächer, die lagen mir einfach nicht. Manchmal hatte ich einfach keine Lust auf eine Arbeit zu lernen. Es kam vor, das ich lieber mit Kumpels einen drauf gemacht habe. Der daraus resultierende Schlafmangel und die Kopfschmerzen aufgrund übermäßigen Genusses von alkoholischen Getränken waren mit Sicherheit auch nicht hilfreich. Es kam natürlich auch vor, das ich einfach vergessen hatte, das wir eine Arbeit schreiben. Und wenn ich aus purer Langeweile doch einmal die Motivation gefunden habe, mir vor einer Klausur den Stoff anzusehen dann brachte es der Lehrer auch schon mal fertig, ein komplett anderes Thema abzufragen. Einmal ist es mir passiert, das mir nicht aufgefallen ist, das das Aufgabenblatt auch eine Rückseite hat – wunderte mich nur warum ich so schnell fertig war. Alles durchaus nachvollziehbare Gründe die man gegenüber den Eltern aber so nicht kommunizieren konnte. Die ganzen Gründe konnte man den Eltern gegenüber eigentlich nur mit den Worten „Ich bekomme nur schlechte Noten, weil mich der Lehrer nicht leiden kann“ zusammenfassen – komischerweise glaubten sie mir damals nicht.
Das Google so viele arme, kleine, unschuldige Webmaster reihenweise „abstraft“ hat mehr oder weniger nur zwei Gründe. Zum einen resultiert dies aus dem Unvermögen, Sachverhalte zu benennen. Was bedeutet es, abgestraft zu werden? Sind die Seiten aus dem Index raus? Werden Seiten bei den bevorzugten Keywords nicht mehr auf der ersten Seite gelistet? Bekomme ich plötzlich weniger Besucher? Ist der PR plötzlich weg oder grau? Schaffe ich es einfach nicht mit bestimmten Keywords vorne in den SERPs mitzuspielen? All das wird gerne einmal unter „meine Seite wurde abgestraft“ zusammengefasst.
Der andere Grund, wieso sich der Begriff so etabliert hat liegt vermutlich darin begründet, das es die Verantwortung so schön von einem weist. „Ich wurde Opfer einer Abstrafung“ klingt doch wesentlich besser als „Ich habe zwar nicht unbedingt Ahnung von dem, was ich da tue, aber das konsequent erfolglos“. Wie mit dem Lehrer, der einen nicht mag und weshalb man die schlechten Noten bekommt. Auf der einen Seite der liebe, brave Webmaster und auf der anderen Seite der/die/das böse Google. Da möchte man dem armen Opfer doch gleich beistehen, liebevoll im Arm knuddeln und tröstend übers schütternde Haar streichen.
Also Mädels und (männliche) Mädels: Es kommt vor, das eine Webseite von Google einen Penalty aufgebrummt bekommt. Dies kommt aber wesentlich seltener vor als man für gewöhnlich annimmt und erfolgt auch nicht willkürlich sondern aus gegebenem Anlass. Google straft nicht ab, sondern bewertet Webseiten aufgrund von angeblich knapp 200 Rankingsignalen. Wenn man einmal ein Verhalten seiner Webseite beobachtet, das man im ersten Moment nicht einordnen kann, dann gilt es, das Phänomen erst einmal zu benennen. Es macht einfach einen Unterschied, ob plötzlich der PR weg ist (und wenn ja, wen interessiert’s?), man mit bestimmten Keywords nicht mehr prominent gelistet wird, übermäßig viele Seiten aus dem Index verschwinden oder zu Weihnachten weniger Besucher erhält obwohl man mit dem Suchbegriff ‚Osterhase’ immer noch an erster Position steht. Nur weil irgendeine Unterseite beim stündlichen PR-Check einmal keinen Wert zu haben scheint heißt dies nicht, das man „abgestraft“ wurde. Vielleicht spinnt einfach nur die Toolbar.

22. November 2008 um 11:19
Im Kern hast Du natürlich recht, aber aus der Sicht eines Webmasters, der plötzlich kein Geld mehr mit seiner Webseite verdient, kommt einem der Verlust von Besuchern eben auch wie eine Strafe vor.
22. November 2008 um 16:30
Du hast natürlich Recht. Wenn man sich selbst aber als “Opfer einer Abstrafung” sieht, dann drängt man sich selber in die Passivität. Irgendjemand (in diesem Falle Google) hat mir Böses angetan und ich kann nichts dagegen tuen. Wenn man allerdings akzeptiert, das Google nicht das böse, willkürlichabstrafende Ungetüm ist, sondern man selbst für den Erfolg, Misserfolg und die kleinen Rückschlägen seiner Webseite verantwortlich ist, dann kann man auch aktiv handeln.
Wichtig für ein aktives Handeln ist aber auch, das man in der Lage ist das Problem beim Namen zu nennen. Die Tendenz, alles in einen großen Pott mit der Aufschrift “Abstrafung” zu kippen ist dabei nicht wirklich hilfreich.
Wenn ich nicht mit meinem Auto fahren kann, dann kann ich mich an den Strassenrand setzen und in’s Taschentuch weinen. Um an der Situation aber etwas zu ändern ist es wichtig zu unterscheiden ob ich den Autoschlüssel nicht finden kann, ein Reifen einen Platten hat, der Wagen nicht anspringt oder ob er geklaut wurde.
24. November 2008 um 15:26
Sehr schön ge- und beschrieben, das Verhalten findet man in den diversen SEO-Foren ja zuhauf… Ich muss leider zugeben, dass ich auch schon mal in der Richtung “Ich wurde abgestraft :’(” herumgeweint habe. Es ist auch so schön einfach, Google verantwortlich zu machen.
PS: Der rechte Rand des Kommentar-Bereichs hier verschwindet unter der Sidebar, und die ist irgendwie zu weit unten?
29. November 2008 um 19:21
Tja Zerstreuter,
Du sprichst mir aus der Seele, vor allen Dingen, kann das selbe Phänomen in der heutigen Zeit an meinen Kindern beobachten. Ich habe bei der Durchsicht so mancher Postings in Webmasterforen oft das Gefühl, die halten Google alle für blöd. Es ist ja auch logisch, der ist ja nur der Größte, weil er immer Glück gehabt hat.
MfG
6. Januar 2009 um 22:15
Ich schuettel bei solchen Postings immer mit dem Kopf. Wenn ich nicht weiss was ich tue (scheint bei vielen der Fall zu sein) dann kann ich auch nicht beurteilen wieso das Ranking manchmal abfaellt. Viele pflegen ihr Seite ein paar Monate und meinen dann fuer die naechste Zeit Ruhe zu haben. Aber so funktioniert das in den seltensten Faellen.
12. Januar 2009 um 16:28
Hmm, ich kann mich sogar noch an Zeiten erinnern, da gab es Google gar nicht.
Was für ein Pech aber auch, da konnte man es nicht auf die böse und gleichzeitig allmächtige Tante Google schieben.
Da waren es eben die bösen Mitbewerber oder wie Du auf so köstliche Art und Weise geschrieben hast, der Lehrer.
Keiner weiß bescheid - aber alle machen mit.
Ist es nicht wie im ganz normalen Leben? Vor 10 Jahren war ich der Meinung es
muss unbedingt eine Rothaarige sein - heute habe ich damit meinen Frieden gemacht
Und auch bei Webseiten ist es wie im normalen Leben - wer sich um seine Partnerin (Webseiten) nicht ausreichend und liebevoll kümmert, stellt irgendwann fest: Sie
ist weg (die Topplatzierung)
Oder wie hat gestern Abend so treffend Mr. “I’ll be back” gesagt: “Das dynamische Paarungsverhalten der menschlichen Rasse gehört nicht zu meiner Wissensdatenbank.”
23. Januar 2009 um 00:22
Am besten finde ich, dass man unter deinem Artikel direkt Anwälte findet, um gegen diese Gemeinheiten seitens Google vorzugehen
Aber mal im Ernst. Wenn es einen selbst betrifft ist es schon schwer einen klaren Kopf zu behalten. Da kommen einfach Urinstinkte hoch und bei vielen “Opfern” führt der Weg dann direkt ins nächst beste Seo-Forum, in welchem die “Experten” das Problem sofort, gratis und ohne Nennung von weiteren Informationen zu lösen haben.
30. Januar 2009 um 18:40
“Das dynamische Paarungsverhalten der menschlichen Rasse gehört nicht zu meiner Wissensdatenbank.” << der ist gut.
Ja diese leidige Sache mit Google. Was haben wir nur gemacht ohne Google? Ich finde, man gibt der Sache einfach eine zu hohe Bewertung. Natürlich ist es doof, wenn man auf der Liste nach unten rutscht und natürlich möchte das niemand. Aber es gibt niemanden auf der ganzen Welt, der immer die Nr. 1 sein wird. Du kannst nicht immer der Beste sein. Das geht nicht. Sogar der reichste Mann der Welt (seinen Namen werde ich nicht nennen als Linux Nutzer) War Jahrelang an der Spitze und musste dann auch abdanken wie man ja jetzt sieht. Es gibt immer ein auf und nieder. Nimm es wie es ist, jammer nicht rum und tu was dagegen.
17. Februar 2009 um 15:45
Ich kann diese Hilferufe auch nicht so wirklich nachvollziehen.
Grundsätzlich sollte doch gelten, dass wenn einer etwas anbietet, ausführt und oder verkauft, dass die Qualität im Vordergrund steht. Und wenn ich was nicht wirklich kann, dann sollte ich mir einen Spezialisten suchen der das kann - soweit der Grundsatz!
Ich finde diese Möchtegern SEO’s langsam nicht mehr so witzig.
Die versauen den Ruf der gesamten SEO/ Suchmaschinen-Branche. Von mir aus kann Google diese möchtegern SEO’s zum Mond schießen - ohne Rückfahrkarte.
15. August 2011 um 18:36
Leider wurde mein vorheriger Kommentar nicht korrekt angenommen, daher nun noch mal ran …
Hier waren schon einige interessante Ausdrücke dabei, egal, ob nun der Lehrer oder die Wissensdatenbank zum dynamischen Paarungsverhalten der menschlichen Rasse besser ist …
Warum wird Seo wohl so unterschätzt? Weil in erster Linie die Keywordstärke und Links zählen (davon aber besser auch nicht mehr als 10 oder 20 - sonst wäre es ja Arbeit …
)
(aufgrund Überlänge muss ich meinen Beitrag anscheinend teilen)
15. August 2011 um 18:40
Teil zwei:
Damit denkt leider fast jeder, er wäre ein Seo. Von Bestandteilen wie der Technik, der Semantik, der andauernden Arbeit oder sonstigen Dingen ist zunächst ja keine Rede. Allerdings muss ich auch mich bekennen, dass ich schon mal versuchte, einfache Regeln aufzustellen - jedoch erst, nachdem ich schon 30 lange Texte zur Suchmaschinen Optimierung schrieb.
Was hilft nun aber gegen solche Herabstufungen? Auf jeden Fall muss man allein wieder aufstehen und entweder arbeiten, arbeiten, arbeiten - oder zunächst unter Ausnutzung der bisherigen Optimierung schwächere Sucheingaben angreifen und eventuell über den Longrun zurückkommen.